Wie Zombies irrten sie
danach erstmal durch die Gegend. Die euphorisierten Kritiker verlangten ein
drittes Album, dementsprechend überhastet produziert, wurde "To The Faithful
Departed" den Erwartungen ein kaum einer Hinsicht gerecht. Als die Cranberries
dann auch noch ihre Welttournee wegen Erschöpfung abbrachen, glaubten viele an
den endgültigen Zusammenbruch.
Dolores O'Riordan hatte
"keine Lust mehr." In einem Interview mit der Zeitschrift "petra" gab die
Sängerin sogar zu, dass sie sich gar nicht sicher gewesen sei, ob sie je
wieder Musik machen wollte. Das Schlimmste, so O'Riordan, sei der Trott
gewesen: "Sechs, sieben Jahre immer das gleiche. Album, Tour, Album, Tour.
Mein Gott, habe ich das gehasst." Irgendwann habe ihr Körper nicht mehr
mitgespielt. Sie habe unter Depressionen gelitten: "Ich hatte Angstzustände
vor jedem Auftritt." Sie habe nicht mehr schlafen können, nur noch geheult.
Sie habe es nicht mehr ausgehalten, wenn sie auf der Bühne angestarrt wurde.
"Ich bin nicht wie Courtney Love, die sich auf jedes Cover drängelt und die
noch zur Eröffnung einer Bierflasche gehen würde."
Dabei hatte alles so
harmonisch angefangen. 1990 in Limerick/Irland unter dem Namen "The Cranberry
Saw Us" gegründet, widmete sich die Band von Beginn an mehr der einfühlsamen
Variante der Rockmusik. Doch erst als Sängerin Dolores O'Riordan als Vierte im
Bunde zur Gruppe stieß, entstand der unverkennbare Cranberries-Sound. Nachdem
ihr Song "Linger" es 1993 bis in die amerikanischen Charts geschafft hatte,
begann der weltweite Aufstieg der Iren.
Bereits das Debutalbum
"Everybody Else Is Doing It, So Why Can't We?" (1994) verkaufte sich bestens.
Danach also "Zombie" und die Krise, aber mittlerweile scheinen die Cranberries
sich wieder gefangen zu haben. Nach über zwei Jahren Pause bringen sie im
April '99 endlich ihr viertes Album "Bury The Hutchet" heraus. Die neuen Songs
sollen frischer und fröhlicher klingen, sagte Sängerin O'Riodan kurz vor
Veröffentlichung der Platte und das hört man auch. Immerhin ein Lebenszeichen.
Während der hohe
Erwartungsdruck bei "Bury The Hatchet" für die sanfte Melancholie früherer
Platten nur noch wenig Raum ließ, scheinen die Cranberrys über die
Jahrtausendwende hinweg zu einer gewissen Ruhe gefunden zu haben. Keine
Gelegenheit lassen sie sich neuderdings entgehen um zu bekräftigen, wie
glücklich sie doch alle sind. "I guess family and friends are the essential
key to happiness," verkündet Markenzeichen Dolores O'Riordan in ihrer
"Personal Note" am Ende des Booklets zur neuen Platte
"wake up and smell the coffee".
2002 erscheint mit
"Stars-The Best Of Cranberries " die längst überfällige Hitsammlung. Ein Jahr
später dürfen die Iren sogar die größte Rock-Hitmaschine der Welt auf Tour
begleiten: The Rolling Stones. Auf einigen europäischen Konzerten sind auch
die australischen Oldies von AC/DC mit am Start. Dort trifft sich Dolores mit
Brian Johnson, um über dessen Musical-Projekt "Helen Of Troy" zu sprechen, an
dem der AC/DC-Sänger bereits seit 1996 arbeitet. Seinem Wunsch nach soll
Dolores einige Songs dazu beisteuern und angeblich neben weiteren Künstlern
auch in dem Bühnenstück auftreten. Die Uraufführung ist für Ende 2003 in
London geplant.